Senioren-Weltmeisterschaft

20. 02. 02
posted by: Super User
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„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an! Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.“ Für den Sportschützen Rolf Windhorst trifft die insbesondere bei Rentnern beliebte Hymne von Udo Jürgens den Nagel auf den Kopf. Kurz nach seinem 66. Geburtstag im August 2019 feierte Windhorst seinen sportlich bisher größten Erfolg.

 

Auf der Senioren-Weltmeisterschaft im September in Suhl am ehemaligen Olympia-Schießstandort der DDR errang er in der Altersklasse 3 (65 bis 69 Jahre) die Silbermedaille in seiner Paradedisziplin „50 Meter Pistole“. Aufgrund dieser außergewöhnlichen sportlichen Leistung steht Windhorst für die diesjährige Sportlerwahl auf dem Wahlzettel.

„Es ist nicht einfach, auf 50 Meter Entfernung mit einer Pistole ins Schwarze zu treffen“, berichtet Windhorst: „Der Durchmesser der 10 auf der Zielscheibe ist nur fünf Zentimeter, also etwa so groß wie ein Golfball. Da reicht manchmal die Bewegung der Waffe durch den eigenen Pulsschlag schon aus, um deutlich neben die 10 zu schießen.“ Dass Windhorst jedoch das richtig Händchen besitzt, weist er seit einigen Jahren eindrucksvoll nach: Erst mit Anfang 60 begann Windhorst mit dem sportlichen Schießen beim SSV Dümmer in Hagewede-Marl. „Zuvor habe ich nur hobbymäßig geschossen“, erzählt der mit seiner Frau in Wagenfeld lebende Vater zweier erwachsener Söhne: „Wir waren beziehungsweise sind alle Mitglieder im Schützenverein in Wagenfeld.“

Dass Windhorst zusätzlich beim SSV Dümmer begann, war die Folge einer der letzten gesetzlichen Verschärfungen des Waffenrechts. „Ich stand vor der Entscheidung, meine persönlichen Waffen abzugeben oder mit dem sportlichen Schießen anzufangen. Das war nicht gerade einfach für mich.“ Letztlich entschied sich Windhorst für den Schießsport: „Meine Ergebnisse bei Schießveranstaltungen waren immer sehr gut. Zudem hat mein älterer Sohn zu dieser Zeit immer mehr Verantwortung in unserem Familienbetrieb übernommen und ich hatte dadurch mehr Zeit zur Verfügung. Deswegen habe ich den Schritt dann gewagt.“

Es wäre auch ein Jammer gewesen, hätte sich Windhorst damals anders entschieden, denn der Unternehmer für Energietechnik und Wasseraufbereitung ließ gleich mit mehreren Erfolgen bei Landesmeisterschaften über 25 oder 50 Meter Pistole aufhorchen.

2019 sicherte er sich im Juli zunächst den Landesverbandsmeistertitel in Bremerhaven. Bei der Weltmeisterschaft, die erstmals vom ISSF (International Shooting Sport Federation) ausgerichtet wurde, trat Windhorst somit als Norddeutscher Meister an. „Für mich war es vor allem interessant zu sehen, wie ich im internationalen Vergleich dastehe.“

Mit Bravour absolvierte der 66-Jährige den Wettkampf, nahm am Ende die Silbermedaille in Empfang und knüpfte darüber hinaus internationale Kontakte: „Die eine oder andere Visitenkarte habe ich ausgetauscht.“ Unter anderem lernte Windhorst Schützen aus der Mongolei kennen, mit denen er sich nur mit Händen und Füßen austauschen konnte, bis schließlich ein Dolmetscher zur Stelle war.

Seine letzte Weltmeisterschaft soll es nicht gewesen sein. „Der Vorteil am Schießsport ist, dass man ihn auch im fortgeschrittenen Alter auf einem hohen Niveau bestreiten kann“, erklärt Windhorst, der regelmäßig im Fitnessstudio an seiner Ausdauer, Kraft und Konzentration feilt. In zwei Jahren findet die nächste WM statt, möglicherweise in den USA: „Dort würde ich gerne antreten und Gold gewinnen.“ Rolf Windhorst verfolgt auch in Zukunft große Ziele. Kein Wunder, denn „Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss!“ Mit 66 ist noch lange nicht Schluss!“